Baron Philippe de Rothschild – Luxus-Bordeaux aus dem Médoc

Die Nachfahren des Mayer Amschel Rothschild aus Frankfurt sind nicht nur als Bankiers legendär. Ein Mitglied der Dynastie, Philippe de Rothschild, brachte es auch in der Welt des Weins zu Ruhm und Ehre. Die Weine des Stammweingutes Château Mouton-Rothschild sind vor allem im Luxussegment zu Hause: Gute Jahrgänge erzielen vierstellige Preise.

Doch das Unternehmen Baron Philippe de Rothschild SA hält auch für nicht ganz so solvente Kunden den einen oder anderen edlen Tropfen bereit. Denn neben dem berühmten Château Mouton Rothschild gehören noch einige andere Güter in Frankreich, Chile und den USA zur Aktiengesellschaft, die mittlerweile auch weniger exklusive Marktnischen bedient. Ihren Anfang nahm die Erfolgsgeschichte mit dem Namensgeber Philippe de Rothschild. Der machte sich in jungen Jahren nicht nur als Playboy einen Namen, sondern brachte schon bald auch das väterliche Weingut Château Mouton-Rothschild in Schwung, das er 1922 im zarten Alter von 20 Jahren übernommen hatte. Mit einigen innovativen Maßnahmen – nicht nur im Bereich der Weinproduktion, sondern auch in Sachen Marketing – verhalf er den Produkten des Gutes bald zu Ruhm. Als erstes leitete er mit der Château-Abfüllung einen geradezu revolutionären Wandel ein. Bisher gelangten die Weine in der Regel im Fass zum Händler, mit der Abfüllung in Flaschen konnte nicht nur eine nachvollziehbare Qualitätssicherung gewährleistet werden, sondern das Augenmerk des Kunden wurde auch stärker auf den Produzenten gelenkt. In letztgenannter Hinsicht gelang dem Baron 1945 ein weiterer Coup: Seit damals wird das Etikett des Château Mouton-Rothschild von namhaften Künstlern gestaltet, darunter Größen wie Dalí, Miró, Chagall, Picasso, Baselitz, Bacon und Koons. Die Entsprechenden Weine mutierten fortan zum Sammlerobjekt, die Künstler wurden in Naturalien entlohnt, also mit Wein.

Nachdem Rothschild weitere Weingüter in der Gegend von Bordeaux und im Languedoc erworben hatte, startete er 1970 eine Kooperation mit einem Weinbauunternehmer im Napa-Valley in Kalifornien. Aus dieser Partnerschaft mit Robert Mondavi ging Opus One hervor, ein hochwertiger kalifornische Rotwein mit Bordeaux-Charakter. Die Tochter des Barons, Philippine de Rothschild, dehnte später die Aktivitäten bis nach Chile aus. Der Almaviva, ein Cuvée aus bordeauxtypischen Rebsorten, wurde ein großer Erfolg. Philippine vergrößerte die Produktpalette, modernisierte das gesamte Unternehmen und vermarktete Rothschild-Weine sehr erfolgreich in der ganzen Welt. Kleine Eskapaden konnte sie sich leisten: Als die Nymphe auf dem Künstleretikett von 1993 in den USA wegen Pädophilie-Verdachts dran glauben musste, ließ sie als Rache in die umetikettierten Flaschen deutlich schlechteren Wein füllen. So besagt es jedenfalls die Legende.

Heute ist das Unternehmen führender Exporteur von Bordeaux AOC Weinen und mit den 1er Crus aus dem Stammhaus Château Mouton-Rothschild trägt es nach wie vor die Krone der Bordeaux-Kultur.

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